LustigesUnschönes

Ein offenes Ohr haben

Ein offenes Ohr haben ….
in meinem Beruf Selbstverständlichkeit sowie Voraussetzung zur professionellen Ausübung des Jobs.

Dass “Ein offenes Ohr haben” auch eine ganz andere Bedeutung zukommen kann ist mir durch vier bereits erlittene Perforationen des Trommelfells bestens bekannt.
So war es dieses Wochenende mal wieder soweit. Das Ohr juckte – wahrscheinlich durch übermäßige verbale Beanspruchung durch meine Frau – also schob ich den Zeigefinger hinein um mir Erleichterung zu verschaffen bzw. dem Redeschwall von Frau P. zu entgehen. Ein kurzes Plopp… Und ich wusste was Sache war.
Wer schon einmal ein Loch im Trommelfell gehabt hat, der weiß nur allzu gut wie bescheiden sich die Welt auf einmal anhört. So als befände man sich in einer Metalltonne in welcher man sämtliche Geräusche hallende und doppelt wahrnimmt.
Also ab in die Karl-Hansen-Klinik. Nach nur zwei Stunden Wartezeit empfing mich der Arzt. Zumindest glaube ich, dass es der Arzt gewesen ist. Denn wirklich verstanden habe weder ich ihn noch er mich. Ein kurzer Blick in beide Ohren. Diagnose: “Nix kaputt, alles gut. Du gehen kannst.” Dass ich bereits leidgeprüft und erfahren mit Trommelfellperforationen bin verstand der Mann genauso wenig wie meine Hinweise, dass ich alles mindestens doppelt und dreifach höre.
Nach einer ziemlich bescheidenen Nacht begab ich mich am Sonntag also wieder in die Klinik. Diesmal nicht ohne vorab nach den Kommunikations- und Sprachfähigkeiten des diensthabenden Arztes zu fragen. Als ich gegen Mittag an der Reihe war nahm mich ein sehr netter Kollege des Viehdoktors von gestern in Empfang. Diesmal war ganz eindeutig auszumachen: Er war Russe. Und zwar ein ebenso netter wie lustiger. Die Frage nach der Ursache für den Defekt des Trommelfells stellte er ganz undiplomatisch und relativ vorwurfsfrei: “Was haben du gemacht? Geht Ohr nicht einfach von alleine kaputt!” Als er nun also seinen Kollegen von gestern widerlegt und, neben des Verdachts auf Knochenfraß sowie Hörsturz, eben doch ein Loch diagnostiziert hatte, holte er eine Zigarette hervor. “Wir jetzt reparieren die Ohr.” Und tatsächlich scheint es wohl bei einigen Ärzten üblich zu sein, ein Loch im Trommelfell mit Zigarettenpapier zu überkleben. Bei diesem Vorhaben kam ihm jedoch sein vorgesetzter Chefarzt in die Quere, der ab diesem Zeitpunkt die Behandlung weitgehend übernahm. Es folgte ein Hörtest, diverse Schläuche mit Kameras wurden mir u.a. in die Ohren und die Nasenlöcher geschoben.  Nach langer Begutachtung der Entschluss: Wir machen da jetzt erstmal gar nichts. Könnte ja evtl. von selbst verheilen. Und wenn das nicht der Fall sein sollte ist immer noch eine Operation möglich. Die Einzelheiten erspare ich euch hier.
Also hoffen wir mal das beste… Bis dahin muss ich wohl mit dem scheußlichen Gefühl im Kopf leben.
Das Wochenende hätte deutlich besser laufen können. Und zu allem Übel begann es heftig zu gewittern als ich die Klinik dann wieder verlassen durfte. Ihr wollt gar nicht wissen wie sich das in meinem Kopf angehört hat.

 


 

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6 thoughts on “Ein offenes Ohr haben

  1. Ach du verdammte Sche***!
    Plötzlich schlecht, anders oder gar nichts zu hören, dass kenne ich wohl, aber ein Loch…oh kacke! Und mir kommt gerade der Gedanke, ob die Idee mit dem Zigarettenpapier vielleicht doch nicht so übel war…ein Versuch wäre es zumindest wert gewesen. Mehr kaputt gemacht hätte es sicherlich nicht! Ich drücke dir Daumen, dass es wieder zusammen wächst und dir eine OP erspart bleibt! LG

    1. Naja, das Zigarettenpapier hätte evtl. helfen können. Meine russischen Freunde sind auch die besten wenn es um die Reparatur meines Autos geht. Die haben echt ein Talent zu improvisieren.

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