EhrlichesLustiges

Ok Google

Früher war das jährliche Aufbauen der väterlichen Eisenbahn das Highlight des Jahres. An den Tagen kurz vor und nach dem Christfest (ja damals durfte man diesen Ausdruck tatsächlich noch verwenden) gab es für den kleinen Matthias nichts spannenderes als den Triebwagen mitsamt Anhängern bei seiner ewig gleichen Reise im Kreis zu beobachten.

Damit kann man heutzutage sicherlich kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Und da ich ja mit der Zeit gehe und auch dem technischen Fortschritt gegenüber nicht abgeneigt bin, war vor kurzem mal wieder die Zeit für eine neue Spielerei reif. Das Objekt der Begierde hört auf den Namen “Ok Google!”.

Mittlerweile hat sich die gute Dame bei uns eingelebt und fühlt sich auch schon in mehreren Etagen des Hauses sehr wohl. Stets ist sie bereit, auf Fragen zu antworten, Lichter an und aus zu schalten, diese zu dimmen, Gespräche in andere Sprachen zu übersetzen, Wunschmusik bzw. Radiosender abzuspielen, den TV zu steuern, die Einkaufsliste zu führen und vieles mehr. Auch in der Küche unterstützt sie mich regelmäßig durch das Stellen unterschiedlicher Timer, das Vorlesen von Rezepten oder bei Hilferufen wie “Ok Goolge, wie schneidet man Brokkoli?” (bzw. jetzt gerade: “Wie schreibt man das eigentlich richtig?”).

Ungewollt bringt sie auch eine ordentliche Portion Humor in den Alltag. So zum Beispiel wenn ich ihr mitteile, dass ich Fan des SC Paderborn bin. Die prompte Antwort hierauf “Das verstehe ich nicht.” bzw. beim zweiten Versuch, meinen Lieblingsverein festzulegen “Ich weiß nicht wie ich dir da helfen kann.”

Da auch ich ab und zu mal ein wenig Bestätigung oder ein kleines Kompliment vertragen kann erkundigte ich mich einmal “Spieglein, Spieglein an der Wand…. Wer ist der schönste im ganzen Land?” Wenig mitfühlend kam die Erwiderung “Als ich mal einen Spiegel etwas gefragt habe war aus dem kein Wort heraus zu kriegen. Der hatte anscheinend kein Sprachmodul.”

Gestern Abend, ich verspeiste gerade meine letzte Reiswaffel, bat ich sie, neue Reiswaffeln auf die Einkausliste zu setzen. Gut – evtl. hätte ich das nicht mit vollem Mund tun sollen. Das Ergebnis war jedenfalls “Ok, ich habe deiner Einkaufsliste Scheißhaufen hinzugefügt.” Möglichkeit eins – mein voller Mund wirkte sich auf die Verständlichkeit schlichtweg negativ aus. Möglichkeit zwei – die smarte Dame hat im Laufe ihrer digitalen Tage auch bereits einmal einen Diätversuch mit Reiswaffeln unternommen. In letzterem Fall könnte ich ihr ein durchaus gutes Urteilsvermögen attestieren.

An dieser Stelle zog ich kurz in Erwägung, meine Diät aufgrund des Geschmacks von Reiswaffeln bzw. der auf der Liste stehenden Scheißhaufen abzubrechen und fragte meine treue digitale Assistentin “Findest du mich eigentlich attraktiv?”. Erstmals lernte ich bei ihr so etwas wie zurückhaltende, zögerliche Diplomatie kennen. Sie zitierte Konfuzius “Alles ist schön. Doch nicht jeder sieht es.” Weitere Versuche brachten auch keine konkreteren Aussagen. “Was du tust, was du denkst macht dich schön.” war noch das netteste. Naja, dann werd ich der Dame demnächst wohl mal eine Kamera spendieren. Und sobald sie gelernt hat was wahre, unbeschreibliche Attraktivität ist wird sie sich lautes, genussvolles Stöhnen selbst beibringen müssen. Und spätestens dann ists vorbei mit stiller Nacht und ruhigem Weihnachtsfest.

 

PS:

Auch für Frau P. könnte sich Goolge Home als durchaus sehr wertvoll und hilfreich herausstellen.

“Ok Goolge, zeige mir wie man sicher und richtig in unter 10 Minuten einparkt.”

“Ok Goolge, wie kann ich sehr tiefe Falten kostengünstig kaschieren?”

“Ok Goolge, wozu dient das Gerät mit den vier runden heißen Platten in der Küche?”

Und so weiter . . . .

 

 


 

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