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Perianalabszess – die Verwechslung

Ich bin endlich aus dem Krankenhaus raus und liege erschöpft zuhause auf dem Sofa. Es geht mir gut. Zumindest besser als die letzten 6 Stunden im Krankenhaus. Und die Stunde davor beim ambulanten Chirurgen.
Dieser verwechselte mich bereits beim Betreten der Praxis und begrüßte mich dementsprechend mit einem freundlichen “Ah, der Arbeitsunfall. Kommen Sie doch gleich durch.” Aber ich konnte rasch aufklären, dass ich eben nicht Herr XYZ bin.
Nachdem ich mich nackig gemacht hatte und der Doc mich und meine “Stellen” untersuchte, platzte auch schon die erste blonde Granate herein. Schätzungsweise Mitte Zwanzig. Sie begriff recht schnell, dass es mir superpeinlich war, dem vor mir knienden Arzt mit heruntergelassener Hose auf den kahlen Schädel zu starren. Granate zwei – ebenfalls in den Zwanzigern, jedoch brünett – raffte das nicht so rasch und bekam große Augen. Ich hoffe das lag an der Mächtigkeit meiner Naturalien….

Irgendwas lief da eh schief heute morgen. Denn als ich in der Notaufnahme des Krankenhauses auf der Pritsche lag, fragte man mich ob ich Blut im Stuhl hätte und sprach von einer Darmspiegelung. Was hatte der Chirurg auf den Notfalleinweisungsschein geschrieben?!
Nachdem der Arzt und sämtliche seiner Studentinnen dann alle ihre Finger in meinem Po hatten (natürlich nicht gleichzeitig) wies ich mal darauf hin, dass diese Stelle meilenweit vom eigentlichen Problem entfernt liegt und rein gar nichts damit zu tun hat. Er würde nur das tun was auf dem Einweisungs-Zettel des ambulanten Chirurgen stehe, meinte der pflichtbewusste Doc. Dennoch gab er mir die Möglichkeit, ihm die tatsächlich betroffene Stelle dar zu bieten. “Kein Notfall” seine Aussage. Aber da ich ohnehin gerade nüchtern sei, könne ich ruhig bleiben und würde bestimmt heute noch an der korrekten Stelle operiert werden.

So ließ ich mich also auf weitere Untersuchungen, Blutabnahmen und Gespräche mit Narkoseärzten ein. Auch der vorangekündigte freundliche Pfleger Tim verwechselte mich umgehend und begrüßte mich mit falschen Namen. Als ich aufklärend einschritt wurde mir ab diesem Zeitpunkt lediglich ein Platz im saunaheißen Aufenthaltsraum zugedacht. Man bedenke die vorherrschenden Temperaturen sowie die Notwendigkeit der Nichtaufnahme von Nahrung, Flüssigkeiten und (am schlimmsten) Nikotin!
Als dann auch noch zu allem Überfluss die zuständige – geschätzte 18 Jahre und der deutschen Sprache sowie des hiesigen Rechtssystem nicht mächtige – Ärztin auf der Bildfläche auftauchte und selbstsicher erklärte “Ja sicher benötigen auch Volljährige die Zustimmung beider Elternteile für eine Operation, aber hauptsächlich die Einverständniserklärung der Mutter” reichte es mir! Nach stundenlangem Warten im soeben erwähnten Raum hatte dann doch meine Riesen-Super-Mega-Angst bzgl. der Vollnarkose gesiegt und ich entfernte mich kurze Zeit bevor ich in den OP geschoben werden sollte auf eigene Faust. Außerdem hatte ich keinerlei Lust, meine Mutter antanzen zu lassen.
Ein Beruhigungsmittel hätte hier sicherlich Wunder gewirkt. Ggf. auch ein Zimmer mit Bett, statt eines harten Stuhls in einem Massenaufenthaltsraums mit ca. 59 Grad Temperatur. Und ebenso hätte man Vertrauen aufbauen können durch deutschsprachiges und rechtskundiges Personal.
Am Parkscheinautomaten zahlte ich brav meine sechs Euro und fuhr absolut erschöpft aber wahnsinnig erleichtert nach Hause.

Problem erstmal vertagt.

 


 

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5 thoughts on “Perianalabszess – die Verwechslung

  1. Hach meine Lieber 🙂
    Was ziehst du dir eigentlich in letzter Zeit immer für ein Sche*** an?!
    Aber ich gebe zu: spätestens bei der “jungen” Ärztin hätte ich bei dem Bullshit auch das Gebäude fluchtartig verlassen! Alles richtig gemacht.
    LG

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